Warhammer 40,000: Inquisitor - Martyr

Warhammer 40,000: Inquisitor – Martyr Review

Ein schlechter Schlächter

Wir üben als Inquisitor den Willen des Imperators aus und säubern mit den Kräften des Warp das Universum vom Chaos-Abschaum. In unserer Review erfährst du, ob sich der Kauf von Warhammer 40,000: Inquisitor – Martyr lohnt.

Eines vorweg: Wer hat sich denn diesen ewig langen Namen einfallen lassen – und dann auch noch dafür gestimmt? In Warhammer 40,000: Inquisitor – Martyr übernehmen wir die Rolle eines, dreimal darfst du raten, Inquisitors und kloppen uns durch fremde Schiffe, von Feinden bevölkerte Welten oder vom Chaos zerfressene Orte.

Der Charakter – DEIN Inquisitor

Bevor wir die ersten Ketzer zu Brei hauen können, dürfen wir uns für eine Klasse entscheiden. Drei unterschiedliche Kämpfer stehen uns zur Verfügung: Vom dick gepanzerten Kreuzritter, über den agilen Assassinen, bis hin zum Psioniker, der die Kräfte des Warp entfesseln kann. Jede Klasse kann sich dann auch noch eine von drei Spezialisierungen aussuchen, um seine Kräfte weiter auszubauen. Das verspricht schon mal Abwechslung.

Und die ist auch tatsächlich da! Jeder Charakter spielt sich grundlegend anders, was Vor- und Nachteile bietet. Ich persönlich bin mit dem Psioniker einfach nicht warm geworden, weshalb ich nach relativ kurzer Zeit zum Kreuzritter gewechselt bin und prompt mehr Spaß hatte. Der Einstieg fällt also, je nach Klasse, recht schwer, das Tutorial ist nicht sonderlich gut ausgearbeitet und auf vieles muss man schlicht selbst kommen. Das geht von „Warum hab ich jetzt diese Sonderfähigkeit? Eben war doch noch was anderes ausgerüstet“ bis zu der Frage, wie man denn beim Crafting Gegenstände fusioniert.

Auch die Farbpalette kann sich sehen lassen. Wer möchte darf seinen Assassinen in dunkle Töne hüllen und seinem Tank rote Striemen auf den Schild pinseln.

Die Missionen – Ein Schlachtfest

Der Start der Kampagne ist reine Routine für unseren Inquisitor. Ein altes Schiff checken, welches gerade in einem Sektor gefunden wurde. Kein Problem. Doch das namensgebende Monstrum „Martyr“ ist nicht so unbewohnt, wie es anfangs schien – ganz im Gegenteil! Kaum hat unser Gleiter den Hangar erreicht, wird auch schon das Feuer auf uns eröffnet. Wir crashen zwar recht ungeschickt auf die Landebahn, können uns aber aus dem Wrack befreien und machen uns auf die Suche nach der Ursache für diesen seltsamen Zwischenfall.

Bei unserer Detektivarbeit an Bord des Schiffes stellen wir schnell fest, dass hier etwas ganz faul zu sein scheint. Leichen, Opferstätten und…. Kultisten? Nurglinge? Chaos-Brut? Ohne lange zu fackeln strecken wir diesen widerlichen Abschaum nieder und ballern uns durch den entweihten Kahn.

Jeder Einsatz in W40k-IM ist ein 5-15 minütiger Lauf durch kleine Areale des Schiffs oder anderen Landschaften. Zwischendurch geht’s immer wieder zurück auf die Brücke unseres eigenen Kreuzers. So wird das Spiel in kurze Sessions aufgeteilt, die bequem zwischendurch gespielt werden können. Hier – und nur hier – haben wird dann auch Zugriff auf Inventar und die Charaktergestaltung.

Aber egal wo wir uns befinden, sobald es auf die Fresse gibt sprühen die Funken, es spritzt roter Pixelsaft, Sporen werden durch die Luft gewirbelt, Feuer brennt… in diesen Momenten sieht Warhammer 40,000: Inquisitor – Martyr einfach super aus. Besonders wenn wir mit einem gezielten Sprung in die Gegnermassen gleich 10 von ihnen gleichzeitig zermatschen – die Partikeleffekte sind wunderbar anzuschauen.

Doch leider liegt in der grafischen Darstellung auch ein großes Manko: Oft sieht das Spiel einfach nur potthässlich aus. Neben den vielen unscharfen Texturen trübt vor allem das Geflimmer an Kanten und feinen Rändern das Bild ungemein. Dazu kommt noch der Hardwarehunger, der für ein Spiel dieser Kategorie ungewöhnlich hoch ausfällt. Ständig dropt die Framerate aus unerklärlichen Gründen, Micro Stuttering während einfachen Bewegungen und teils unverständlich lange Ladezeiten für kleine Areale zeigen, dass die Entwickler hier noch ziemlich nachbessern müssen.

Andere Länder – Andere Sitten

Wenn wir mal nicht auf der Martyr Ketzer ihrem Schicksal zuführen, tun wir es auf Planeten. Der Großteil der Story findet im Caligari-Sektor der Galaxie statt, was vielen Warhammer Fans sicherlich gefallen dürfte. In Sachen Namensgebung und interessanten Orten hat Entwickler NeocoreGames seine Hausaufgaben gemacht und beschert uns ab und an ein Wiedersehen mit aus der Literatur bekannten Begriffen.

Also reinigen wir auch die Oberfläche von Tartarus IV von unheiligem Gesindel oder verzieren die Landschaft von Aethon Prime mit Nurgleinnereien. Das ganze Hin- und Hergespringe geht uns aber nach einiger Zeit tierisch auf die Nerven, denn die Transit-Animationen zwischen den einzelnen Welten können nicht abgestellt werden. Hier wir vermutlich geladen, aber auch dabei kommt es zu unschönen Rucklern in der Animation. Doch zumindest kann man dies mit der Extra-Funktion „Reise zum nächsten Ort“ umgehen. Praktisch.

Wir kommen jedoch nicht umher zu bemerken, dass sich die Quests recht schnell zu Wiederholen beginnen. „Töte hier alle Feinde“, „Sammle X Gegenstände“, „Aktiviere in diesem Level drei Terminals“. Gähn… Etwas mehr Abwechslung wäre schön. Gerade die letzte Art von Quest kommt uns nach dem vierten Aufguss zum Hals raus. Denn mit einem einfachen „Aktivieren“ ist es nicht getan. Wir müssen für eine knappe Minute die „F“-Taste gedrückt halten und zwischendurch immer wieder anstürmende Gegner ausschalten.

Stehst du mit einer Schusswaffe dann zu nah an einem Gegner, triffst du ihn nicht mehr – Bug. Oder du erkennst nicht, warum dein Charakter gerade Schaden nimmt. Er steht in einer Gaswolke (die nicht zu sehen ist) – Bug. Du gehst hinter einer Mauer in Deckung, doch beim Raus spähen und Zurückballern schießt dein Inquisitor nur in die Wand – Bug. Wir haben während unserer Session nicht nur Käfer auf fremden Planeten verflucht, sondern auch im Code des Spiels selbst. Doch zum Glück gleicht die miese Zielerfassung die miese KI aus.

Gameplay und Technik

Ein paar der Mankos haben wir ja bereits angesprochen, doch auch die Steuerung sollte hier erwähnt werden. Zocken kannst du mit Maus und Tastatur oder mit dem Gamepad, wobei wir die erste Variante deutlich bevorzugen. Bewegen, Schießen, Zielerfassung oder Sonderaktionen wirken seltsam statisch und so gar nicht Benutzerfreundlich. Zum Glück dürfen wir die Tastenbelegung nach unserem Gusto anpassen. Dafür gibt’s Pluspunkte, denn die Standardtasten sind fast schon willkürlich verteilt. Hier ist also Customizing gefragt.

Einer der Gründe, warum ich so schnell vom warpbändigenden Psioniker zum Kettenschwert schwingenden Tank gewechselt habe, war die eingeschränkte Bewegungsfreiheit als Fernkämpfer. Die Feuergefechte ließen ein Ausweichen vor feindlichen Projektilen nur bedingt zu und das Verständnis der einzelnen Fähigkeiten hielt sich in Grenzen. Einträge hierzu findet man mitunter im Tutorial, aber hier ist nichts vertont und vor allem nicht alphabetisch sortiert – viel Spaß beim Suchen.

Das Tutorial ist zwar vorhanden, doch nicht wirklich gut integriert.

Wer nicht alleine spielen möchte kann bis zu vier Teammitglieder rekrutieren und gemeinsam in die Schlacht ziehen. Das suchen von Verbündeten gestaltete sich bei uns jedoch schwierig. Überlastete Server, Verbindungsprobleme und laggende Kameraden brachten unsere Koop-Sitzungen meist zu einem jähen Ende. Und wenn dann doch mal ein Spiel zustande kam, wurde sich über geringe Dropraten unterhalten. Sofern man sich unterhalten konnte, denn auch der Chat hat seine Bugs. Einmal mussten wir sogar das Spiel neustarten, weil uns das Chatfenster den Austritt verweigerte.

Im gesamten Spiel (egal ob Solo oder Koop) gibt es wirklich wenig Loot. Und die „unterschiedlichen“ Flammenwerfer, Insignien oder Stäbe heißen zwar anders, sehen aber alle gleich aus. Von Artenreichtum hat man beim Waffendesign ebenso viel gehört, wie bei der Gestaltung der Gegner.

Die Lokalisierung von Warhammer 40,000: Inquisitor – Martyr ist zwar ambitioniert und wurde für eine Vielzahl von Ländern durchgeführt, doch das hat auch seine Kehrseite: Die Übersetzung ins Deutsche ist gelinde gesagt ein Graus. Verdrehte Buchstaben (udn statt und), sich überlappende Texte und andere Schreibfehler findet man am laufenden Band. In Überschriften, Namen von Charakteren, Waffenbezeichnungen, Infotexten auf den zahlreichen Ladebildschirmen und so weiter… Auch Eigennamen werden völlig falsch und unsinnig übersetzt. Ich zitiere eine Steam-Review:

Aus Boltgun wird Bolzenpistole. Aus Powerarmor nicht Servorüstung sondern Machtrüstung. Ein Space Marine Chapter wird nicht zum Orden sondern zum Space Marine Kapitel. Bitte waaaaas? Zerstört die komplette Warhammer Stimmung.

Stimmt. Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

Fazit

Bei jedem anderen Spiel oder RPG habe ich mich geärgert in Dungeons auf Anhieb den richtigen Weg gefunden zu haben. Weil das bedeutete, ich musste nochmal zurück und die ganzen anderen möglichen Wege checken. Vielleicht gibt’s ja noch irgendwo was besonderes zu holen? Bei Inquisitor war ich froh, wenn ich durch ein Level durch war…

Das unbefriedigende Loot-System und der langsame Charakter-Fortschritt drücken ebenso schnell aufs Gemüt wie die fummelige Steuerung und die zahlreichen Bugs. Schade, denn das Warhammer Universum bietet so viele Möglichkeiten und ein gutes RPG hat in der Liste definitiv gefehlt. Falls der Entwickler jetzt Hand anlegt und ein paar Stellschrauben justiert, könnte ja noch was draus werden.

Wir vergeben 3 von 10 Kriegshämmern:

Minimale Systemanforderungen:

    • Setzt 64-Bit-Prozessor und -Betriebssystem voraus
    • Betriebssystem: 64-bit Windows 7+ (8 / 8.1 / 10)
    • Prozessor: Intel CPU Core i3-2120 (3.3 GHz) / AMD CPU FX-6300 (3.5 GHz)
    • Arbeitsspeicher: 4 GB RAM
    • Grafik: Nvidia GeForce GTX 760 (2 GB) / AMD Radeon HD 7850 (2 GB)
    • DirectX: Version 11
    • Netzwerk: Breitband-Internetverbindung
    • Speicherplatz: 30 GB verfügbarer Speicherplatz

Empfohlen Systemanforderungen:

    • Setzt 64-Bit-Prozessor und -Betriebssystem voraus
    • Betriebssystem: 64-bit Windows 7+ (8 / 8.1 / 10)
    • Prozessor: Intel CPU Core i7-2600 (3.4 GHz) / AMD CPU FX-8320 (3.5 GHz)
    • Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
    • Grafik: Nvidia GeForce GTX 1060 (3 GB) / AMD Radeon RX 480 (4 GB)
    • DirectX: Version 11
    • Netzwerk: Breitband-Internetverbindung
    • Speicherplatz: 30 GB verfügbarer Speicherplatz

Unser System:

  • Betriebssystem: Windows 10 64bit
  • Prozessor: Intel Core i5-3570 | 3,40GHz
  • Arbeitsspeicher: 16GB RAM
  • Grafikkarte: R9 200 von AMD
Kategorie
GamesReviews

Ich bin Tobias Heinen, Mitte 20 und seit Juni 2013 aktiv als freier Redakteur tätig. Gaming ist meine Leidenschaft! Zu den Aufgabenbereichen die ich verwalte zählt unter anderem der tägliche Rundumschlag in Sachen Newsmeldungen: Alles was anfällt wird gesichtet und wenn möglich sofort auf die Seite gepackt.

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