Sind Games as a Service die Zukunft der Videospiele?

Games as a Service scheinen aktuell immer mehr die Vorherrschaft im Bereich der Videospiele zu erlangen. Aber was steckt dahinter und wieso funktioniert das Ganze so gut? Wir haben...
Games as a Service
Bildquelle: gr.sa

Games as a Service scheinen aktuell immer mehr die Vorherrschaft im Bereich der Videospiele zu erlangen. Aber was steckt dahinter und wieso funktioniert das Ganze so gut? Wir haben einmal einen Blick darauf geworfen.

Früher waren Videospiele so simpel: Man spielte Level für Level nacheinander durch, bis man sich nach einem (hoffentlich) spannenden Endkampf zurücklehnen und den Abspann genießen konnte. Für den Spieler war dieses Spiel dann abgehakt und der nächste Titel musste her – für den Entwickler natürlich eine gute Sache, denn so konnte er regelmäßig neue Spiele verkaufen. Mittlerweile treten jedoch die sogenannten Games as a Service immer mehr in den Vordergrund und ignorieren das altbewährte Konzept völlig.

Was sind Games as a Service überhaupt?

Bei Games as a Service handelt es sich um Spiele, die darauf ausgelegt sind, dass man sie dauerhaft, teilweise über viele Jahre hinweg, spielt. Auf den ersten Blick macht so was aus Entwicklersicht verständlicherweise wenig Sinn. Man verdient einmalig etwas beim Verkauf (sofern es nicht sogar als Free to play-Titel angeboten wird) und hat dann keine weiteren Einnahmen. Natürlich steckt der Teufel hier im Detail, denn wie die Bezeichnung „Games as a Service“ bereits vermuten lässt, wird hier eine dauerhafte Dienstleistung angeboten. Und diese lassen sich die entsprechenden Entwickler logischerweise auch vergüten. Hierbei machen Erweiterungen und DLCs allerdings meist nur einen Bruchteil der zusätzlichen Einnahmen aus. Das Zauberwort lautet in dem Fall „Mikrotransaktionen“.

Die Mikrotransaktionen

Ob es sich nun um Schlüssel für irgendwelche Kisten mit Skins und neuen Items handelt oder ob der Spieler sein virtuelles Konto mit Echtgeldzahlungen aufstocken kann, macht an sich erst mal keinen Unterschied. Entscheidend ist die psychologische Wirkung von Erfolgserlebnissen, die damit erreicht werden. Tatsächlich kann das Freisetzen von Endorphinen (körpereigene Opioidpeptide) durch eben jene Erfolgserlebnisse zu einer regelrechten Sucht werden, denn wie der Name bereits vermuten lässt, gleicht das Ganze einem Opiumrausch.

League of Legends

Inwiefern die Entwickler dafür nun kritisiert werden sollten, muss jeder für sich selbst entscheiden. An sich sind Erfolgserlebnisse und das daraus resultierende Glücksgefühl eine natürliche und alltägliche Sache, die selbst bei ganz banalen Dingen wie einem vollendeten Abwasch oder dem Anschließen technischer Geräte auftritt. Davon abgesehen gibt es diese Wirkung auch in jeder anderen Sparte der Videospiele. Die Frage ist lediglich, wie die einzelnen Entwickler das Ganze dosieren.

Die Dosis macht das Gift

Wenn ein Spiel immer wieder für kleinere Erfolgserlebnisse sorgt, die sich durch das Investieren von Echtgeld noch ein wenig erhöhen lassen, kann sich eigentlich niemand beschweren. Schlimmer sind horrende Ausgaben, um überhaupt diese „Sucht“ zu befriedigen. Wirklich perfide Entwickler sorgen gar dafür, dass der Spieler nach und nach immer tiefer in die eigene Tasche greifen muss und sich der steigenden Kosten kaum bewusst ist.

Allerdings setzt nicht jeder Entwickler auf dieses Konzept. Spiele wie Ark: Survival Evolved kommen beispielsweise komplett ohne Mikrotransaktionen aus und sind dennoch darauf ausgelegt, den Spieler über einen langen Zeitraum zu binden. Dieses Prinzip kann funktionieren, wirft aber im Normalfall weniger Gewinn für den Entwickler ab.

ARK: Survival Evolved

Ein erfolgreiches Konzept, nicht nur für Entwickler

Aber warum funktionieren Games as a Service so gut und wieso scheinen sie nach und nach die „klassischen“ Spielkonzepte abzulösen? Der Grund ist eigentlich ganz simpel: Ein Entwickler, der regelmäßig neue Spiele auf den Markt bringt, muss sich ständig neue Ideen einfallen lassen, diese von Grund auf neu umsetzen und das Ganze marketingtechnisch gut in Szene setzen, um den Spieler darüber zu informieren und ihn zum Kauf zu animieren.

Bei den Games as a Service hingegen hat man nur einmal diesen Arbeitsaufwand. Änderungen und Erweiterungen sind weit weniger komplex, da das Grundgerüst ja bereits steht. Und da die Spieler sich eh regelmäßig im Spiel befinden, können kostenpflichtige Neuerungen auch genau dort präsentiert werden. Ein entsprechender Hinweis irgendwo im Hauptmenü kostet nichts und ist schnell und einfach realisiert.

Natürlich ist das Prinzip der „Endlosspiele“ nicht völlig neu, denn bereits früher gab es Titel wie Sim City, FIFA oder Street Fighter, die entweder lange beschäftigen oder immer wieder zu einer Partie einladen konnten, ohne dabei ein wirkliches Ende zu haben. Der Unterschied zu heutigen Games as a Service war allerdings, dass besagte Titel weder weiterentwickelt wurden, noch zusätzliche Kosten beim Spieler verursacht haben.

Früher hat man (umgerechnet und die Inflation berücksichtigt) 60 bis 70 Euro für ein Spiel ausgegeben, heute zahlt man beim Einstieg teilweise gar nichts mehr, gibt aber im Laufe mehrerer Monate oder gar Jahre insgesamt deutlich mehr aus. In einigen Fällen bekommt man dafür wertigen Inhalt, in anderen Fällen wird einfach nur die Sucht nach Erfolgserlebnissen ausgenutzt.

Was denkst du über Games as a Service? Bevorzugst du eher die klassischen Videospiele oder bist du bereit, dauerhaft Geld in einen Titel zu investieren? Schreib es uns in die Kommentare! 

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Ricardo Beigang

Ich gehöre mit meinen 34 Jahren zwar nicht mehr ganz zur jungen Generation, kann im Gegenzug aber mit viel Erfahrung im Bereich der Videospiele aufwarten. Ich betrachte dieses Medium nicht einfach nur als simplen Zeitvertreib, sondern befasse mich ausgiebig mit den kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten des Gamings. Das beinhaltet neben dem Schreiben auch das Kommentieren, beispielsweise bei Charity-Events wie dem AGDQ. Privat fahre ich eher die Retro-Schiene und bin ein großer Enthusiast klassischer JRPGs, aber auch eine Runde Battlefield und Co. schlage ich nicht aus.

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