Prey

Prey – Unsere Review zum Sci-Fi RPG von Bethesda

Wir lehren garstigen Aliens das Fürchten und machen uns in Prey mit Rohrzange und GLOO-Kanone auf die Jagd nach Mimics.

Das neue Prey hat nichts mit dem Titel zu tun, der ursprünglich mal veröffentlicht werden sollte. Außer dem Namen ist von der damals geplanten Kopfgeldjäger-Simulation nichts übrig geblieben. Stattdessen setzt Bethesda auf einen Neuanfang und schickt uns in das Jahr 2032 einer alternative Zeitlinie.

Story

In Prey hat John F. Kennedy das Attentat überlebt und alles Geld in die Wissenschaft gesteckt. Die Russen treffen 1959 erstmals auf außerirdisches Leben und erbauen zusammen mit den USA eine riesige Raumstation, um Forschung zu betreiben und die Hintergründe der unbekannten Spezies zu erfahren. Nach einem Zwischenfall wird die öffentliche Arbeit an dem Projekt jedoch eingestellt und eine private Firma übernimmt das Konstrukt. Die neu getaufte Talos 1 betreibt seitdem das wohlhabende Unternehmen TransStar.

Deren CEO ist unser Bruder Alex Yu, Mastermind und 1. Vorsitzender. Wir schlüpfen in die Rolle von Morgan Yu (wahlweise männlich oder weiblich), ebenfalls leitender Forscher an Bord der Raumstation. Schnell wird uns klar, dass hier nicht alles so läuft wie es laufen sollte. Nach kurzer Zeit bekommen wir heraus, dass wir als Versuchskaninchen herhalten müssen, Tests absolvieren und Tag um Tag dieselben Aufgaben erledigen sollen. Als ein weiterer Zwischenfall die Station lahmlegt erhalten wir erstmals die volle Kontrolle über unser Leben zurück und müssen uns den Gefahren des Weltraums stellen.

Der Anfang vom Ende

Der Auftakt zu Bethesda’s Rollenspiel-Actioner ist schön verzwickt aufgebaut. In den ersten Stunden lernen wir nicht nur die Hintergründe unseres seltsamen Aufenthalts an Bord der Talos 1 kennen, sondern treffen auch auf die ersten Aliens, die es sich hier gemütlich gemacht haben. Die als Typhoon betitelte Rasse hat die Kontrolle über den Großteil der Station, der Crew und der sonstigen Systeme übernommen und viele Forscher getötet. Das Spektrum der Gegner reicht von den menschenähnlichen Phantoms, über die schwebenden Weaver bis hin zum riesenhaften Alptraum.

Das Debut machen jedoch die Mimics – kleine, an Spinnen (oder Headcrabs) erinnernde Viecher, die sich dank ihrer Kräfte als Alltagsgegenstand tarnen können. Sie nehmen einfach die Form eines Kaffeebechers oder einer Stehlampe an und schlagen zu, wenn man unachtsam an ihnen vorbei laufen will. Das führt zu richtig miesen Jump Scares und unfreiwillig hektischem Herumfuchteln mit der Rohrzange, unserer Nahkampfwaffe im Spiel. So entwickeln wir nach kürzester Zeit eine handfeste Paranoia und hauen auf alles drauf, was irgendwie verdächtig aussieht. Da haben sich die Arkane Studios etwas wirklich Nettes einfallen lassen.

Not the weapon you’re looking for

Bei der oben erwähnten Rohrzange handelt es sich nur um eine von vielen Waffen in Prey. Neben klassischen Ballermännern wie Schrotflinte und Pistole setzt das Sci-Fi-RPG jedoch auch auf ganz schön abgefahrene Meinungsverstärker. Dazu zählt die Disruptor-Pistole, mit der wir Feinden und gegnerischen Robotern einen Stromstoß versetzen und sie so kurzzeitig lahmlegen. Oder die Recycler-Granate, die alle in der Umgebung befindlichen Objekte anzieht und in ihre Bestandteile zersetzt. Dann gibt’s noch EMP-Schocks, Nullwellen-Bomben und die Nerf-Gun „Boltcaster“, mit deren Schaumstoffpfeilen wir Aliens anlocken oder Terminals und Schalter aus sicherer Entfernung bedienen können.

Allen voran geht aber die GLOO-Cannon (Gelifoam Lattice Organism Obstructor), die eine Art schnellhärtenden Bauschaum verschießt und jeden Gegner in der weißen Pampe einschließt. So können wir sie gemütlich mit den übrigen Waffen beackern. Doch mit diesem Wunderteil können wir noch ganz andere Sachen anfangen – Treppen zu unerreichbaren Etagen bauen, zum Beispiel. Oder gefährliche Gas-Lecks abdichten. Oder Ventilatoren anhalten… und und und. Das großartige Leveldesign lässt dich nach Lust und Laune erforschen und du kannst alle Ecken und Kanten der Talos 1 nach Loot absuchen.

M. Yu – Der Entdecker

Beim Erkunden der Forschungseinrichtung stolpern wir über viele interessante Orte, decken seltsame Experimente auf und finden auch den ein oder anderen subtilen Gag. Jeder Raum birgt neue Gefahren und Hindernisse, aber auch nützliche Informationen, Key-Codes oder Sammelbares. Der Kleptomane in uns packt rasend schnell so viele Gegenstände und Müll in unser Inventar, dass dieses bald aus allen Nähten zu platzen droht.

Doch zum Glück gibt es in jeder Abteilung einen Recycler. In diese Maschine kippen wir den ganzen Krempel den wir Wiederverwerten wollen hinein und nach einem Klick auf „Start“ kommen hinten handliche Würfel mit den jeweiligen Crafting-Materialien heraus. Diese können wir an einer anderen Station zu verschiedenen Objekten umwandeln – die dafür benötigten Baupläne vorausgesetzt. So basteln wir uns aus altem Schrott neue Munition, Reparaturkits für den Raumanzug oder sogar Neuromods.

Moment… Neuromods? Tja, was wäre ein Rollenspiel ohne Skills? Die erhältst du aber nicht einfach durch das Aufsteigen in ein höheres Level, nein. Das wäre ja viel zu schmerzfrei. Bei Prey hauen wir uns dafür zwei dicke Nadeln ins Auge und pimpen unser Hirn direkt mit den nötigen Daten, die wir zum Erlernen neuer Fähigkeiten brauchen. So upgraden wir unseren Denkapparat mit neuen Gimmicks und erhalten dafür mehr Lebenspunkte, erhöhte Ausdauer, können Computer hacken oder besser Reparieren. Die lila Ampullen sind überall auf den Maps verteilt und machen dich von der anfänglich fragilen Beute zur Ein-Mann-Killermaschine.

Hier, lies mal

Das ganze Prozedere erinnert ein wenig an Matrix, bei dem das „Lernen“ auf ähnliche Art vollzogen wurde. Auch der unterschwellige Bioshock-Vibe lässt sich auf keinen Fall übersehen. Die retromoderne Neo-Deko, eine alternative Zeitlinie, all das erinnert ein Wenig an den Blockbuster von Irrational Games, was aber auf keinen Fall negativ aufgefasst werden sollte. Alles passt wunderbar zusammen und ergibt in sich Sinn.

Während wir von Personen, durch Audiologs oder per E-Mail Quests ins Journal gepackt bekommen und diese abschließen brechen wir Türen auf, hacken Zahlenschlösser, öffnen versteckte Tresore mit zuvor dechiffrierten Codes und umgehen Sicherheitsmechanismen. Leseratten kommen hier übrigens voll auf ihre Kosten: Durch Bücher, Notizen und die elektronische Post lernen wir etwa dreimal so viel über Geschichte und das Leben auf der Raumstation, als durch die gut vertonten Cutscenes. Jeder hat etwas zu sagen, versteckt Rohstoffe in einem geheimen Spind oder besitzt das Kennwort für einen fremden Computer. Wer liest und zuhört braucht sich um gutes Equipment oder Munitionsnachschub keine Sorgen zu machen.

Optimierungsbedarf

Wer seinen Charakter weiter verbessern möchte, muss bei ihm selbst nicht Halt machen. Der Anzug, der uns auch Schutz in den Tiefen des Weltalls bietet, verfügt über Erweiterungsslots. Hier können Chips eingesetzt werden, welche die Widerstandsfähigkeit erhöhen, das Manövrieren in der Schwerelosigkeit vereinfachen oder andere Boni garantieren. Auch das später im Spiel zu findende Psychoskop hat solche Steckplätze und ist beliebig konfigurierbar.

Zu guter Letzt bieten dir Waffen-Kits die Möglichkeit, deine Schießeisen ebenfalls aufzustocken und beispielsweise den Schaden der Schrotflinte oder die Effektivität der GLOO-Gun zu erhöhen. Im weiteren Spielverlauf lernst du auch die Umgebung zu deinen Gunsten einzusetzen, Engpässe mit Fallen auszukleiden und Gasflaschen im richtigen Moment fallen zu lassen. In Kombination mit deiner optimierten Ausrüstung haben die Typhoon keine Chance.

Allerdings stellt sich etwa nach der Hälfte der rund 24-stündigen Kampagne etwas Eintönigkeit ein. Die meisten Bereiche der Raumstation wurden besucht, alle Gegnertypen schon zigmal bekämpft und man beginnt den immer gleichen Gefechten aus dem Weg zu gehen. Da man zum Ende hin öfter mal die Lokation wechseln muss, können sich auch die Wege dorthin in die Länge ziehen. Diese Beschwerde ist jedoch nur ein kleiner Wermutstropfen bei einem ansonsten äußerst unterhaltsamen Spiel. Immerhin spornen höhere Schwierigkeitsgrade und alternative Enden zum erneuten Durchspielen an. Außerdem wirst du es bei einem Durchlauf nicht schaffen alle Fähigkeiten auszuprobieren.

Die Technik

Technisch macht Prey, welches auf der CryEngine basiert, einen super Eindruck. Das Spiel sieht hübsch aus und ist sehr gut optimiert. Lediglich im großen Reaktorraum kam es zu Framedrops. Dieses Problem scheinen auch andere Tester bemerkt zu haben und sollte bald von Bethesda per Update behoben werden. Die Ladezeiten sind erfreulich kurz, was vor allem bei Quick-Saves viel Herumspielen zulässt. Der Schwierigkeitsgrad ist bereits auf Mittel schön fordernd und führt bei unüberlegten Aktionen schnell zum vorzeitigen Ableben. Die direkte Steuerung ermöglicht präzises Manövrieren und Zielen.

Soundkulisse und Musik wurden von Meister Mick Gordon höchstpersönlich eingespielt. Der gebürtige Australier, der schon die Soundtracks für Doom, Wolfenstein: The New Order und Killer Instinct komponierte, zeigt auch hier wieder weshalb er zu den besten seines Faches gehört. Die passenden Akzente an den richtigen Stellen sorgen für eine dichte Stimmung und Gänsehaut.

Fazit
Prey überzeugt mit stabiler Performance, spaßigen Waffen, einer großartigen Levelarchitektur und versteht sich aufgrund der Knobelaufgaben und vielschichtigen Areale nicht als reiner Shooter. Nein, hier kann man viel mehr hinein interpretieren. Mit unserer Maschine (Win10 64bit, Intel Core i5-3570 | 3,40GHz, 16GB RAM und eine R9 200 von AMD) lief Prey auf den höchsten Einstellungen fast immer stabil mit weit über 60 FPS. Die kleinen Macken und Problemchen die uns während des Spieldurchlaufs aufgefallen sind trüben den Gesamteindruck keineswegs und halten uns nicht von einer hohen Wertung ab.

Wir vergeben 9 von 10 Phantoms

Prey ist seit dem 05. Mai 2017 erhältlich für PC, Xbox One und PlayStation 4.

Minimale Systemanforderungen:

  • Betriebssystem: Windows 7/8/10 (64-bit versions)
  • Prozessor: Intel i5-2400, AMD FX-8320
  • Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
  • Grafik: GTX 660 2GB, AMD Radeon 7850 2GB
  • Speicherplatz: 20 GB verfügbarer Speicherplatz

 

Empfohlene Systemanforderungen:

  • Betriebssystem: Windows 7/8/10 (64-bit versions)
  • Prozessor: Intel i7-2600K, AMD FX-8350
  • Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
  • Grafik: GTX 970 4GB, AMD R9 290 4GB
  • Speicherplatz: 20 GB verfügbarer Speicherplatz
Kategorie
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Ich bin Tobias Heinen, Mitte 20 und seit Juni 2013 aktiv als freier Redakteur tätig. Gaming ist meine Leidenschaft! Zu den Aufgabenbereichen die ich verwalte zählt unter anderem der tägliche Rundumschlag in Sachen Newsmeldungen: Alles was anfällt wird gesichtet und wenn möglich sofort auf die Seite gepackt.

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