Neues Zensurgesetz bedroht die Freiheit im Netz

Morgen steht der Tag der Entscheidung an.
Zensurgesetz

Meinungsfreiheit und Urheberrecht wandeln schon seit jeher auf einem schmalen Grad. Darf er das? Ist sowas noch legal? Warum schiebt dem keiner einen Riegel vor? Morgen könnte sich mit dem Urheberrechtsschutzgesetz einiges ändern – und das nicht zum Guten.

Der 20. Juni ist ein großer Tag für die Netzkultur. Das EU-Parlament plant schon seit Längerem eine extreme Verschärfung des Urheberrechts und will dies nun endgültig durchsetzen. Morgen wird die Abstimmung für den Urheberrechtsschutz-Gesetzesentwurf stattfinden und das könnte verheerende Folgen haben.

Automatisierte Upload-Filter

Du bist wie jeden Tag auf Facebook, YouTube oder 9Gag unterwegs uns willst harmlose Memes, Videos oder Musikclips mit deinen Freunden teilen. Du beginnst die Sachen hochzuladen, alles läuft ganz normal. Doch als der Upload abgeschlossen ist, verschwindet dein lustiges Katzenvideo plötzlich – warum?

Kurz: automatisierte Uploadfilter.

Sollte das Zensurgesetz (speziell Artikel 13) morgen durchgewunken werden, muss jedes Datenpaket erst einen Filter passieren, bevor der Inhalt auf der jeweiligen Plattform erscheint. Eine Maschine entscheidet also, ob dein Bild geklaut wurde, deine Musik von einem anderen Interpreten stammt, oder dein Video nicht wirklich dir gehört. Die Datei wird sofort blockiert und auch nirgendwo angezeigt.

Wir alle wissen, dass nicht nur Menschen fehleranfällig sind, sondern auch Programme. Woher soll eine Software wissen, dass es sich bei einem Beitrag zum Beispiel um eine Parodie handelt? Ob eine Comedyshow nur Satire zeigt und keinen Abklatsch? Ob es ein geschmackvoller Remix deines Lieblingssongs ist, statt geripptem Sound?

Diese Art von Kontrollnetz gibt es schon. YouTube nutzt sein Content ID System auf ähnliche Weise. Und bereits hier (beschränkt auf eine einzige Plattform) sehen wir, dass es zu massiven Problemen kommen kann. Falsch detektierte Videos oder Sounddateien werden unrechtmäßig in den digitalen Äther verbannt. Sollten wir das für das komplette Internet zulassen? Ein Programm, welches die gesamte Netzkultur bedrohen könnte?

Ein weiterer Kracher des Artikel 13: Für den Upload werden die Plattformen verantwortlich gemacht – nicht der Nutzer. Dies bedeutet, jede noch so kleine Belanglosigkeit wie das Foto deines Mittagessens oder das Video von deinem Hund gilt als „kommerziell genutzter Inhalt“. Instagram, SnapChat und Co. verdienen mit diesen Daten ihr Geld. Und bei „Monetarisierung“ hat der Gesetzgeber (bzw. das Programm) noch ganz andere Hebel und Stellschrauben.

Was können wir also gegen das Zensurgesetz tun?

Natürlich sollte das Urheberrecht gewahrt werden. Künstler, Autoren, Maler und Musiker hängen mit Herzblut und Schweiß an ihren Werken und sollten dafür auch ihre Anerkennung erhalten. Doch nicht mit Methoden, die auf der anderen Seite freie Rede einschränken. Meiner Meinung nach müssen Programme unterstützen und ggf. als Frühwarnsystem eingesetzt werden, doch nicht Richter und Henker unter einem UI vereinen. Bestehende Systeme verbessern oder intelligentere Wege erschließen, lautet hier das Motto.

Aber noch ist nichts verloren! Erhebe deine Stimme und melde dich bei den zuständigen Amtsträgern. Teile den Politikern mit, was Sache ist und diskutiere sachlich mit ihnen über ein Gesetz, welches fatale Konsequenzen haben könnte.

Zuständige Personen:

https://saveyourinternet.eu/

https://www.change.org/p/stoppt-die-zensurmaschine-rettet-das-internet-uploadfilter

Petition:

https://createrefresh.eu/de/unternimm-etwas/

Weitere Infos:

https://www.liberties.eu/de/campaigns/das-recht-auf-freie-meinungsaeu%C3%9Ferung-sch%C3%BCtzen/249

Dir ist das alles zu viel Text und du hättest es gerne von jemandem erklärt, den du kennst? Kein Problem. PietSmiet got you covered:

Was denkst du über das Zensurgesetz? Kotz dich in unseren Kommentaren aus!

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Ich bin Tobias Heinen, Mitte 20 und seit Juni 2013 aktiv als freier Redakteur tätig. Gaming ist meine Leidenschaft! Zu den Aufgabenbereichen die ich verwalte zählt unter anderem der tägliche Rundumschlag in Sachen Newsmeldungen: Alles was anfällt wird gesichtet und wenn möglich sofort auf die Seite gepackt.

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